Wie Innovation Arbeitsplätze und die Gesellschaft verändert
Neu ist KI nicht – eigentlich waren schon Taschenrechner, die Formeln behalten konnten, in den 80ern irgendwie künstliche Intelligenz.
Aber jetzt kommt eine Welle über uns die sich neu anfühlt. Sie begräbt – wie ein Tsunami – viele Arbeitsplätze und Produktionsmethoden, in einer ansonsten sehr modernen Branche: dem Marketing.
Zweifellos ist das auch Innovation – aber keine besonders menschliche. Hier ersetzen „Maschinen“ Menschen, die ihren Beruf mit Leidenschaft und Berufung gemacht haben. Grafiker, Photographen, Stylisten, Visagisten, Setbauer, Models, Sprecher, Texter u.v.m. werden nicht mehr von Ihrem Beruf leben können. Das ist schließlich auch die Schattenseite von Innovation, die in Ihrem Ausmaß eine der größten Veränderungen im Berufsleben mit sich bringen wird.
Sicher werden auch neue Arbeitsplätze entstehen, die aber nicht von jedem der auf dem Altar der Innovation geopfert werden wird auszufüllen sind.
Daher sollten wir uns die Frage stellen, warum Innovation immer noch vollkommen positiv verwendet wird. Es scheint, als hätten bestimmte Interessengruppen einen ungehemmten Spaß an Wachstum und Innovation. Dabei ist Ertragssteigerung und Gewinn nicht nur eine Frage von Wachstum oder Innovation. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich möchte auch weiter wachsen im Sinne einer gesunden Entwicklung. Und dabei ist der Mensch und eben meine Mitarbeiter ein bislang wichtiger integraler Bestandteil gewesen. In einer guten Agentur knüpft man bestenfalls Verbindungen für sein ganzes restliches Leben. Nun scheint es, als würde die AI-Machete viele der gewachsenen Verbindungen kappen. Alternativlos. Es sind keine ernstzunehmenden Alternativen und Fort- oder Umbildungsangebote zu erkennen. Schließlich greift hier auch mein Begriff des Tsunamis. Viel zu schnell rast der KI-ntercity an den Menschen vorbei und macht das Zusteigen schwer. Wer nicht früh genug einsteigt bleibt draußen.
Ich habe schon sehr früh auf KI gesetzt und der Changeprozess in meiner Agentur ist im vollen Gange. So hoffe ich, dass wir alle im Echopark so auch Nutznießer dieser „Innovation“ sein werden. So wie einst Kohle im Pott gefunden wurde oder der Nachthimmel im gleißenden Feuer beim Abstich orange erstrahlte, werden sich hoffentlich neue Aufgaben und Berufsfelder ergeben, die den Menschen Bedeutung und Lebensfreude schenken. Wozu sollte sonst Innovation gut sein?
Wenn wir zu der Überzeugung gelangen, dass auch in Zukunft das Maß der Dinge der Mensch selbst ist und bleibt – mit all seinen Schwächen und Stärken, sind wir auf dem richtigen Weg. Aber wird die KI zu derselben Erkenntnis gelangen, wird sie den Menschen als Maß der Dinge akzeptieren – auch wenn er irrational, unvernünftig und entgegen aller Logik handelt? Welche Wertmaßstäbe werden von einer KI zukünftig an unser Leben angelegt? Es scheint ein altes Problem der Menschen zu sein: Ich empfehle die Lektüre von Dürrenmatts „Die Physiker“. Im Gegensatz zu diesem Werk wird es nicht der Zufall sein, der das Verderben über die Menschen bringt. Sondern eine ungebremste und unreflektierte Innovationsgier. Die inflationären Entwicklungen der letzten Jahrzehnte – gemeint sind nicht nur wirtschaftliche Entwicklungen – sondern die unbegrenzte Verfügbarkeit von Musik, die zahllose Downloadbarkeit von Filmen und vieles mehr, gipfelt nun in einer KI, die ebenfalls zu einer omnipotenten Verfügbarkeit von Ideen und Lösungen führt. Es lebe die Innovation!
Glück auf!
Der gebürtige Ruhrpottler Rüdiger Konetschny ist Werber mit ganzem Herzen. Seit 30 Jahren arbeitet er als studierter Germanist und Publizist erfolgreich in der Werbebranche. Als Gastdozent war er an der BIZ Iserlohn oder der Hamburg Mediaschool aktiv. Er und sein Team arbeiten europaweit für große Handelsmarken wie Poco, Möbel Boss, Adler, NKD, KiK, Woolworth, TEDi sowie für den BVB, Vorwerk, ThyssenKrupp uvm.

